keyvisual



Home
Wir über uns
Arbeitsschwerpunkte
Unsere Projekte
Wildtiere in Gefahr
Bleivergiftung
Pestizide
Ölverschmutzung
Ölvogelrettung
English summary
Unterstützen Sie uns
Kontakt
Impressum
Sitemap

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rehabilitation von verölten Vögeln

 

Management und Logistik

Bei einem Ölunfall hat man es oft mit hunderten bis tausenden von verölten Vögeln zu tun, die alle gleichzeitig versorgt werden müssen. Das ist ein großer Unterschied zur Rehabilitation oder Behandlung anderer Wildtiere und erfordert deshalb ein besonderes Management und eine ausgefeilte Logistik.

 

Arbeitssicherheit

Mineralöl ist toxisch und kann schwere Gesundheitsschäden beim Menschen hervorrufen. Besondere Maßnahmen zur Arbeitssicherheit wie z.B. das Tragen spezieller Schutzkleidung (z.B. Tyvec Schutzanzug, Nitrilhandschuhe, Atemschutzmasken, Schutzbrillen) müssen unbedingt eingehalten werden.

  

Bergung und Transport

An Land gespülte, geschwächte Tiere können per Hand aufgesammelt werden oder müssen pro-aktiv mit Netzen/Keschern eingefangen werden. Die Bergung verölter Vögel darf nur mit Einverständnis der Gefahrenabwehr erfolgen und erfordert genaue Kenntnisse über das Gelände, die Sicherheitsmaßnahmen bei Schadstoffunfällen und die Biologie der Vögel. Zum Transport der Vögel eignen sich Pappkartons oder umgebaute Transportkäfige für Hunde oder Katzen.

 

Klinische Untersuchung und Dokumentation

Jedes Tier wird mehrmals während der Rehabilitation klinisch untersucht, mindestens bei der Aufnahme in die Station, einen Tag vor dem Waschen und kurz vor der Auswilderung. Bei der Untersuchung sollten in jedem Fall Befunde über die Körpertemperatur, das Körpergewicht, den Ernährungszustand, das Allgemeinbefinden und den Gefiederzustand erhoben werden. Die Lungen und das Herz sollten auskultiert werden. Es ist v.a. auf Verletzungen und Verbrennungen im Brustbereich und an den Extremitäten zu achten. Es sollte immer eine Blutuntersuchung erfolgen, bei der mindestens der Hämatokrit (HTK) und das Gesamteiweiß (TS) bestimmt werden.

Bei der Erstaufnahme der Tiere erfolgt auch die sogenannte Triage. Die Triagekriterien sind abhängig von den Umständen des Ölunfalls. Sie geben Hilfestellung bei der Entscheidung ob ein verölter Vogel euthanasiert werden muss oder ob er die Rehabilitation durchlaufen kann. Euthanasiekriterien sind z.B. Frakturen, das Fehlen eines Körperteils, Verlust des Augenlichtes, starker Gewichtsverlust, schwere Hypothermie, ausgeprägte Drucknekrosen im Brustbeinbereich, ausgeprägte Bumblefoot, ein HTK <15% und TS <1g/dl. Ziel einer jeden Ölvogelrehabilitation ist die Wiederauswilderung. Die Dokumentation der Behandlung ist sehr wichtig, nicht nur um den Behandlungsverlauf festzuhalten, sondern auch um entstandene Kosten beim Verursacher des Ölunfalls geltend machen zu können. Die Dokumentation sollte deshalb mittels standardisierter Befundbögen erfolgen.

 

Erstversorgung und Stabilisierung

Bevor die unterkühlten und geschwächten Tiere gewaschen werden dürfen, müssen sie erst stabilisiert werden. Zur Stabilisierung gehört das Zuführen von Wärme, Flüssigkeit (Elektrolyte) und Nahrung. Zumindest in der Anfangszeit oder wenn die Tiere nicht selbstständig fressen, erhalten verölte Vögel Flüssigkeit und Nahrung meist über eine Magensonde.

 

Die Unterbringung und Fütterung verölter Vögel ist abhängig von der Tierart.

Bei Seevögeln, wie z.B. Trottellumme, Eider- oder Trauerente hat sich die Unterbringung in Netzboden-käfigen bewährt. Hierdurch kann das Risiko einer Entstehung von Sekundärerkrankungen, wie Bumblefoot oder Dekubitus, deutlich abgesenkt werden. Niemals sollten verölte Vögel auf Stroh gehalten werden (Aspergillosegefahr!).  

 

Reinigung des Gefieders

Das Reinigen des Gefieders erfolgt niemals unter fließendem Wasser, sondern in einer 1-2% Geschirrspülmittellösung. Beim Waschen wird eine bestimmte Technik angewendet, bei der das Gefieder geschont wird. Das Wasser muss eine Temperatur von 40-41°C haben. Die Waschung dauert zwischen 10 und 30 Minuten, je nach Größe des Tieres. Das ölhaltige Restwasser muss entweder über einen Ölabscheider gefiltert oder gesondert gesammelt und entsorgt werden.

 

Mindestens genauso wichtig wie die Reinigung ist das anschließende Ausspülen der Seifenlauge. Dies sollte unter fließendem Wasser geschehen. Der Wasserdruck (3,5 bar), die Wassertemperatur (40-41°C), die Wasserhärte (2-3 Grad) und die Spültechnik spielen dabei eine entscheidende Rolle. Nach der Reinigung wird der Vogel getrocknet. Hierzu können Föhne für Haustiere oder Wärmelampen als Hilfsmittel dienen.

 

Genesungsphase und Vorbereitung auf die Auswilderung

Nach dem das Gefieder gereinigt und getrocknet ist, werden die Vögel in Schwimmbecken gehalten. Die Wasserqualität muss hierbei sehr gut sein, das Wasser darf nicht zu weich und nicht zu hart sein. Die Schwimmbecken müssen groß genug und tief genug sein, dass die Vögel auch tauchen können. Die Wasseroberfläche muss ständig frei von ölhaltigen Verschmutzungen gehalten werden (Skimmen). Das geschieht entweder durch einen permanenten Zulauf von Frischwasser und einen Überlauf und/oder durch ein gutes Filtersystem. Es darf kein fetthaltiger Fisch gefüttert werden. Manche Tiere besitzen direkt nach der Reinigung wieder ein wasserdichtes Gefieder, bei anderen Vögeln stellt sich dieser Zustand erst nach einigen Tagen ein. Vögel, deren Gefieder noch nicht ganz wasserdicht ist, müssen genau beobachtet werden und die Gelegenheit erhalten aus dem Wasser zu gelangen (Plattformen). Am ihrem ersten Tag im Schwimmbecken ist es oft nötig die Tiere in regelmäßigen Abständen aus dem Wasser zuholen und erneut das Gefieder zu trocknen.

 

Auswilderung

Es werden nur Tiere in die freie Wildbahn entlassen, deren Gesundheitszustand vollständig wiederhergestellt werden konnte. Die Vögel müssen ein vollkommen wasserdichtes Gefieder, ein normales Verhalten, ein gutes Allgemeinbefinden und einen physiologischen Ernährungszustand aufweisen. Es dürfen keine Verletzungen oder Krankheitsanzeichen vorliegen. HTK und TS müssen im Normalbereich liegen. Vögel, die ausgewildert werden, sind mit einem amtlichen Ring zu kennzeichnen. Die Auswilderung sollte vormittags in Absprache mit einem orts- und spezieskundigen Ornithologen erfolgen und nur bei stabiler Wetterlage. Die Vögel sollten unbedingt in einer Gegend freigelassen werden, die frei von Ölverschmutzung ist.

Im Idealfall sollte der Erfolg der Rehabilitation durch ein anschließendes Monitoring gemessen werden. Solchen Monitoringstudien haben gezeigt, dass die Überlebensrate der rehabilitierten verölten Vögel, abhängig von der Tierart und dem Ölunfall, bis zu 90% betragen kann. Bei Trottellummen, einer Tierart, die häufig bei Ölunfällen betroffen ist, lagen die Überlebensraten bei fast 70%.

 

Europäische Handlungsrichtlinien

Um größere Ölvogelrettungseinsätze in Europa tierschutzgerecht und gut koordiniert durchführen zu können, erstellt das Europäische Ölvogelrettungsteam (EOWRT) zurzeit Handlungsrichtlinien für die Rehabilitation von verölten Vögeln. Unter der Leitung der Sea Alarm Foundation (SAF) arbeiten dabei verschiedene Organisationen aus unterschiedlichen europäischen Ländern zusammen: Wildlife Rescue Center Ostend (Belgien), Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA, UK), ProBird (Deutschland) und das Freie Institut für Wildtierschutz (Deutschland). 

  

Top
Freies Institut für Wildtierschutz e.V. | info@institut-wildtierschutz.de